Aktion „Sicher unterwegs“ – Ersichtlicher Handlungsbedarf

Die im März gestartete Aktion „Sicher unterwegs“ der Verkehrsgewerkschaft GDBA und der Gewerkschaft Transnet stößt auf unvermindert große Resonanz. In Frankfurt trafen sich jetzt Betriebsräte aus allen Bereichen des DB Konzerns zu einer Fachkonferenz und Diskussion  über die Sicherheitslage der Beschäftigten. Eindeutig bestätigte sich, was bereits die Ergebnisse der Fragebogenaktion deutlich machten: Auf vielen Strecken ist Gefahrenpotenzial vorhanden. Fazit: Ersichtlicher Handlungsbedarf.

Bild: GDBA-Vize Peter Tröge

GDBA-Vize Peter Tröge und Transnet-Vorstandsmitglied Karl-Heinz Zimmermann forderten die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ein. Alle Präventionsmaßnahmen richteten sich bislang auf die Sicherheit von Reisenden und Kunden, so die Gewerkschafter, die Sicherheit der Mitarbeiter müsse ebenfalls in den Fokus rücken. Die Forderungsliste von Verkehrsgewerkschaft GDBA und Transnet enthält als zentrales Thema die verbindliche Festschreibung von Sicherheitsleistungen bei Ausschreibungen im Nahverkehr ebenso wie die Präsenzpflicht von Sicherheitspersonal oder den Einsatz von Zugbegleitern auf allen Zügen. In kritischen Zeiten oder auf problematischen Strecken müssen, so Peter Tröge, 2-er-Teams als Mindestbesetzungen vorgesehen werden. Für alle Beschäftigten forderten die Gewerkschafter außerdem Sicherheitsschulungen, Selbstverteidigungskurse und De-Eskalationstrainings. Zudem sei es unerlässlich, die Betreuung der Mitarbeiter nach Vorfällen zu intensivieren.  

Die Nachsorge nach traumatischen Erlebnissen sei in der Tat verbesserungsfähig, räumte Dr. Bettina Volkens, Personalvorstand der DB Regio AG, ein. Auch sie sieht in der Sicherheit der Beschäftigten eine Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, der man sich verstärkt stellen müsse. Dirk Fleischer, Leiter Operations der DB Sicherheit GmbH, erklärte, im DB Konzern sei Sicherheit eine gut organisierte Netzwerkaufgabe, die „vorbildlich und leistungsfähig“ sei. Allerdings räumte er ein, dass der Informationsaustausch optimiert werden muss. Oft fehlten Informationen von der Basis. „Wir müssen dringend wissen, was vor Ort passiert, um handeln zu können“, richtete er einen Appell an die Betriebsräte.

Deutliche Kritik am Sicherheitssystem der DB AG übte Reiner Bieck, Bereichsleiter der Transnet, die Mitarbeiter würden das System nicht kennen, monierte er. Schnittstellen seien nicht bekannt, es gäbe ein großes Informationsdefizit bei den Betroffenen. Das konnte Marina Biechler, Kundenbetreuerin bei der Regio AG, nur bestätigen. Sie stellte vielen Teamleitern und Führungskräften zudem ein äußerst schlechtes Zeugnis aus: Die Mitarbeiter fühlten sich bei Meldungen über Vorfälle oft nicht ernst genommen, vieles werde einfach „niedergelächelt“.

Verkehrsgewerkschaft GDBA und Transnet werden weiter in Sachen Sicherheit am Ball bleiben und noch intensiver Politik und Verantwortliche einbinden. Der immer wieder beschworene Kostendruck darf keine Ausrede sein, Sicherheitsleistungen zu kappen.

Die Brisanz des Themas hat jetzt auch die International Transport Workers' Federation (itf) dazu bewegt, ihren nächsten europäischen Aktionstag am 28.4.2009 unter das Motto „Sicher unterwegs“ zu stellen.

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