60 Jahre Verkehrsgewerkschaft GDBA

Genau ein Jahr vor Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, am 23. Mai 1948, wurde in Essen-Steele die Verkehrsgewerkschaft GDBA – damals unter dem Namen Gewerkschaft Deutscher Reichsbahnbeamten und Anwärter – von August Dominik und weiteren Kolleginnen und Kollegen gegründet.

Zuvor musste die Genehmigung der britischen Militärregierung eingeholt werden, mit der auch die Anerkennung als Interessenvertretung gegenüber der Eisenbahnverwaltung verbunden war. Ziele der gewerkschaftlichen Arbeit waren damals nach dem Gründungsaufruf die Erhaltung des Berufsbeamtentums, die Mitwirkung bei der Gestaltung des Beamtenrechts, die Vertretung und Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Mitglieder und die Errichtung von sozialen Selbsthilfeeinrichtungen. Außerdem wurde die parteipolitische und konfessionelle Unabhängigkeit der Gewerkschaft festgeschrieben.

Unter Leitung der Bundesvorsitzenden August Dominik (1948 bis 1957) und Willibald Lutermann (1957 bis 1970) engagierten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen für den raschen Aufbau der Gewerkschaft. Es gelang ihnen sehr schnell, GDBA-Bezirke am Sitz der damaligen Bundesbahndirektionen zu gründen. Bereits Mitte der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bekannten sich über 115 000 Eisenbahnerinnen und Eisenbahner zur GDBA. Die Entwicklung und das Wachsen der GDBA ist Verdienst vieler aktiver Mitglieder in den Ortsgruppen, den Vertretungen, den Regionen, den Betriebs- und Personalräten und den Spitzengremien der GDBA.

Der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard war Ehrengast beim Gewerkschaftstag 1964 in Köln, rechts der GDBA-Bundesvorsitzende Willibald Luttermann.

Kurz nach ihrer Gründung trat die GDBA dem Deutschen Beamtenbund  bei. Die GDBA, eine der größten Gewerkschaften im dbb beamtenbund und tarifunion, war am Aufbau des dbb zu einer starken gewerkschaftlichen Kraft in Deutschland und Europa maßgeblich beteiligt. Über 28 Jahre, von 1959 bis 1987, war unser Eisenbahnerkollege Alfred Krause Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes. Der heutige Ehrenvorsitzende des dbb hat im politischen Raum viel für die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner erreicht. Auch der Bundesvorsitzende der GDBA, Robert Dera, gehörte der Bundesleitung des dbb an und war Vorsitzender der dbb tarifunion. Viele führende Vertreter der GDBA arbeiten in den Spitzengremien des dbb mit und nehmen großen Einfluss auf die Politik unserer Spitzenorganisation.
 
Unter den Bundesvorsitzenden Ludwig Betzmeir (1970 bis 1981), Adolf Hartmann (1981 bis 1991) und Robert Dera (1991 bis 2003) gelang der weitere Aufbau und die Konsolidierung der Organisation. Im Jahre 1963 wurde der Grundstein für eine erfolgreiche Tarifarbeit gelegt. Gemeinsam mit der Christlichen Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und der GDL wurde die GDBA Tarifpartner des Vorstandes der Deutschen Bundesbahn, der NE-Bahnen und vieler anderer Unternehmen des Verkehrsbereichs. Heute gestaltet die Verkehrsgewerkschaft GDBA ihre erfolgreiche Tarifarbeit im Rahmen einer Tarifgemeinschaft mit der Gewerkschaft TRANSNET. Neben dem Abschluss zahlreicher Tarifverträge ist die Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen trotz eines gewaltigen Personalabbaus herausragendes Ergebnis unserer Tarifarbeit.

Ludwig Betzmeier (l), Bundesvorsitzender von 1970 bis 1981, begrüßt das Gründungsmitglied August Dominik

 1989/1990 kam die historische Wende in der ehemaligen DDR; Mauer und Stacheldraht fielen, die Wiedervereinigung Deutschlands stand auf der Tagesordnung. Am 28. April 1990 wird die GDBA-Ost im Roten Rathaus in Berlin gegründet, und der heutige GDBA-Bundesvorsitzende Klaus-Dieter Hommel wird zum Vorsitzenden gewählt.
 
Die Vereinigung beider Gewerkschaften erfolgte bereits am 29. Oktober 1990 auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag. Mit großem Einsatz vieler ehrenamtlich tätiger Kolleginnen und Kollegen aus Ost und West wird in den neuen Bundesländern eine demokratische Gewerkschaft aufgebaut, zu der sich viele Tausend Eisenbahnerinnen und Eisenbahner bekennen. Nach der Berufung des Bundesvorsitzenden Adolf Hartmann in den Vorstand der Deutschen Bundesbahn im Jahre 1991 wird Robert Dera zum Bundesvorsitzenden der GDBA gewählt.

          

1985 traf sich der GDBA-Bundesvorstand mit dem damaligen Kanzler
Helmut Kohl. Der Bundesvorsitzende Adolf Hartmann übergab mit seinen Stellvertretern Gerhard Nagel(l) und Robert Dera (r) Forderungen und Vorschläge zu aktuellen Problemen.

         

Am 28. April 1990 wurde im Roten Rathaus in Berlin die GDBA in der damaligen DDR gegründet. Die Vereinigung beider Gewerkschaften erfolgte im Oktober des gleichen Jahres in Braunschweig(v.l. Franz König, Klaus Schornstädt, Adolf Hartmann, Klaus-Dieter Hommel, Robert Dera)

 Der 1. Januar 1994 war ein historischer Tag in der Geschichte der Deutschen Eisenbahnen. Aus den Sondervermögen Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn entstand die Deutsche Bahn Aktiengesellschaft (DB AG). Damit wurden für die Bahn die Weichen in eine Zukunft mit einschneidenden Veränderungen gestellt. Der Staat übertrug die Verantwortung für den Schienenverkehr auf ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen und ermöglichte der DB AG einen schuldenfreien Start. Die hoheitlichen Aufgaben, vor allem die Aufsicht über den Eisenbahnverkehr, die Personalverwaltung der verbliebenen Beamten und die Schuldenverwaltung der ehemaligen DB und DR nahmen die neu gegründeten Behörden Bundeseisenbahnvermögen (BEV) und Eisenbahn-Bundesamt (EBA) wahr. 

Für die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner brachte die Privatisierung radikale Änderungen. Organisationsstrukturen – seit über hundert Jahren „eingefahren“ - verschwanden von einem Tag zum anderen, z.B. Bundesbahn- und Reichsbahndirektionen, Dienststellen und Hauptverwaltungen und Vorstände der DB und DR, ebenso wie die Funktionen von Bahnhofsvorstehern, Direktionspräsidenten und vieles andere mehr. Eine völlige Neuorganisation gliederte das Unternehmen in Geschäftsbereiche, die in selbständige Aktiengesellschaften umgebildet wurden. Dass der Betrieb in der Anfangsphase trotz großer Schwierigkeiten durch die Organisationsänderungen reibungslos weiterlief, war eine großartige Leistung der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner.

Adolf Hartmann (r), Bundesvorsitzender von 1981 bis 1991, beglückwünscht seinen neu gewählten Nachfolger Robert Dera.

 
Trotz grundsätzlicher Bedenken gegen die Privatisierung der Deutschen Bahnen hat die GDBA großen Einfluss auf die Ausgestaltung des Gesetzeswerkes genommen. In vielen Verhandlungen mit der Bundesregierung, den Bundesländern, den Parteien und den Abgeordneten konnten die Vertreter der GDBA ihre Vorstellungen in das Gesetzeswerk einbringen. Bereits vor Gründung der Aktiengesellschaft wurden neue Tarifverträge ausgehandelt. Trotz des gewaltigen Personalabbaus gab es keine betriebsbedingten Kündigungen, und erreichte Sozialstandards konnten gesichert werden.
 
Für die Beamten, die der DB AG oder ihren „Töchtern“ zugewiesen oder zu ihnen beurlaubt wurden, gab es beachtliche Erfolge. Die grundsätzlichen beamtenrechtlichen Regelungen gelten bis heute weiter und wurden unter Wahrung der Rechtsstellung den Erfordernissen der DB AG angepasst. Die Neuregelungen haben zum Teil sogar zu Verbesserungen geführt. Die Verkehrsgewerkschaft GDBA wird dafür sorgen, dass die Rechte der Beamten auch in der Zukunft nicht angetastet werden.
 
Auch die betrieblichen Interessenvertretungen mussten nach Gründung der Deutschen Bahn AG neu gebildet werden. Anstelle der Personalräte wurden Betriebsräte gewählt, die die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach den Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes wahrnehmen. Für die statusrechtlichen Belange der verbliebenen Beamten sind Besondere Personalräte zuständig. Die umfassende Schulung der Betriebs- und Personalräte ist eine ständige Aufgabe, die die Verkehrsgewerkschaft GDBA mit großem Einsatz erfüllt.
 
In den Aufsichtsräten werden die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch kompetente Mitglieder unserer Gewerkschaft vertreten.

Der damalige Bundesverkehrsminister Günter Krause (2.v.r.) traf im März 1992 den GDBA-Bundesvorstand (v.l. Klaus-Dieter Hommel, Hans-Jürgen Seiffert, Robert Dera, Franz König) zu einem Gespräch über die Bahnreform.

 
Die Erfolgsbilanz der Verkehrsgewerkschaft GDBA kann sich sehen lassen. Fünfundvierzig mal wurden die Einkommen der Beamten und Arbeitnehmer erhöht. Dazu kamen viele strukturelle Verbesserungen. Das Spitzenamt im mittleren Dienst wurde von der Besoldungsgruppe A8 in die Besoldungsgruppe A9 mit Zulage, das Spitzenamt im gehobenen Dienst von der Besoldungsgruppe A12 in die Besoldungsgruppe A13 (im technischen Dienst A13 mit Zulage) gebracht. Die Bedingungen für den Aufstieg in den mittleren, gehobenen und höheren Dienst wurden erleichtert, die Beförderungsmöglichkeiten verbessert. Die Löhne und Gehälter in den neuen Bundesländern konnten in mehreren Schritten an die Gehälter in der alten Bundesrepublik angeglichen werden.

 
Die Urlaubsregelungen wurden deutlich verbessert. Zum Vergleich: 1950 gab es 12 Tage Urlaub. Auch der Zusatzurlaub für die Kollegen im Wechseldienst geht auf das Konto der Verkehrsgewerkschaft GDBA. Und die 48-Stundenwoche gibt es auch nicht mehr, die höchstzulässige Wochenarbeitszeit im Wechseldienst von 72 Stunden gehört ebenfalls der Vergangenheit an.
 
Dieser Streifzug durch die Geschichte der Verkehrsgewerkschaft GDBA und die Erfolgsbilanz sind nicht vollständig. Nicht alle Felder der gewerkschaftlichen Arbeit können hier abgehandelt werden. Wenn Sie weitere Informationen haben möchten, schreiben Sie uns.
 
Seit 2003 steht mit Klaus-Dieter Hommel ein erfahrener Eisenbahner aus den neuen Bundesländern an der Spitze unserer Gewerkschaft. Auf seine Initiative hin hat die Verkehrsgewerkschaft GDBA in den zurückliegenden zwei Jahren ihre Organisation unter ständiger Einbindung ihrer Mitglieder und Amtsinhaber den Erfordernissen der Zukunft angepasst. Die Organisationsreform schafft die Grundlagen für eine moderne und schlagkräftige Gewerkschaftsarbeit.
 
In den 60 Jahren ihres Bestehens hat die Verkehrsgewerkschaft GDBA durch ihre sachkundige Arbeit viele Erfolge für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreicht.
 
Die Verkehrsgewerkschaft GDBA wird die Interessen ihrer Mitglieder auch in der Zukunft solidarisch, kompetent und erfolgreich vertreten. Sie wird ihren Beitrag zu einer bahnfreundlichen Verkehrspolitik leisten und die Weiterentwicklung der Bahnkonzerne, Behörden und Verkehrs- und Dienstleistungsunternehmen kritisch, aber konstruktiv begleiten und dafür sorgen, dass der Mensch nicht auf der Strecke bleibt.
 
Ohne die Treue der Mitglieder zu unserer Gewerkschaft und den großen persönlichen Einsatz der Amtsinhaber sowie der Betriebs- und Personalräte wäre die erfolgreiche Arbeit in den vor uns liegenden Jahren nicht möglich. Ihnen und ihren Ehe- und Lebenspartnern, die Verständnis für diese ehrenamtliche Arbeit aufbringen, gebührt Dank und Anerkennung.
 
Hans-Jürgen Seiffert
Ehrenmitglied der Verkehrsgewerkschaft GDBA

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