Diese Politik schadet Allen

Die mit Spannung erwartete Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes zum Thema Tarifeinheit ist gefallen. Und wie bereits er- wartet, haben die obersten deutschen Arbeitsrichter ihre bisherige Rechtsprechung nach vielen Jahren geändert. Jetzt diskutieren Gewerkschaften, Arbeitgeber und die Politiker darüber, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn in einem Betrieb nicht mehr nur ein Tarifvertrag gilt.

Noch ist völlig offen, ob die Beschäftigten in Gänze davon profitieren werden, wenn Gewerkschaften versucht sind, ihre Konkurrenz künftig über die Tarifpolitik auszutragen. Erste Anzeichen lassen allerdings befürchten, das am Ende die Arbeitgeber die Gewinner sein könnten und die Politik noch intensiver versuchen wird, die Rechte der Gewerkschaften einzuschränken.

Die aktuelle Tarifrunde bei den Bahnen macht das Problem bereits deutlich. Eines der gewerkschaftlichen Ziele ist es, tarifliche Bedingungen zu schaffen, die im Schienenverkehr Lohn- und Sozialdumping verhindern. Über die Notwendigkeit einer solchen Regelung besteht unter den Bedingungen eines zunehmenden Wettbewerbs überhaupt kein Zweifel. Leider ist ein abgestimmtes und gemeinsames Handeln erneut nicht möglich, weil sich die GDL wieder einmal der Zusammenarbeit verweigert und sich offensichtlich ausschließlich von organisationspolitischen Überlegungen leiten lässt.

Diese Politik schadet am Ende allen Beschäftigten. Statt gemeinsam und stark für alle aufzutreten, wird Klientelpolitik betrieben. Doch Tarifpolitik eignet sich eben nicht für den politischen Wettbewerb, wenn Schwache nicht auf der Strecke bleiben sollen. Das Gerede von der Pluralität, die das Geschäft belebt als Begründung für ein solches Handeln hat sich in diesem Bereich längst überlebt. Heute arbeiten Gewerkschaften zusammen, die sich noch vor wenigen Jahren in erbitterter Konkurrenz gegenüberstanden.

Der vermeintliche Erfolg von Beruf- oder Spartengewerkschaften basiert auf der besonderen Stellung einer Berufsgruppe auf dem Arbeitsmarkt oder im Betrieb. Die Vision, dass diese Verbände eine Führung für die anderen Tarifverträge einnehmen könnten, ist bisher nicht wahr geworden. Warum auch?

Würden jene Organisationen versuchen ihren Organisationsbereich auszuweiten, um auch andere von ihren Abschlüssen profitieren zu lassen, würden die künftig keine Sonderkonditionen mehr für ihren Berufsstand erreichen können.

Aus dieser Tatsache heraus erklärt sich auch die Politik der GDL, die eine Vertretung des Fahrpersonals nach wie vor als politisches Alibi versteht, um in den Reihen der Eisenbahner ihre wahren Ziele zu kaschieren.

Die von Verkehrsgewerkschaft GDBA und Transnet beabsichtigte Gründung einer neuen Verkehrsgewerkschaft ist die richtige Antwort auf diese Entwicklung und sichert eine starke und kompetente Vertretung aller Beschäftigungsgruppen.

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