Schienen-Güterverkehr: EU zerfleddert Schienennetz - Verordnung treibt Keil in das System Schiene

Verkehrsgewerkschaft GDBA und Transnet haben Kritik an der neuen EU-Verordnung zum Schienen-Güterverkehr geübt. Danach soll dieser in Deutschland auf drei Korridoren Vorrang vor dem Personenverkehr haben. Nach Auffassung der Gewerkschaften setzt die EU damit die Akzente falsch. Es fehlt eine Investitionsoffensive für die Schiene insgesamt.

Das Straßburger Parlament hatte am Dienstag grünes Licht gegeben, dem Schienen-Güterverkehr in bestimmten Korridoren Vorrang vor dem Personenverkehr einzuräumen. In Deutschland sind davon drei Korridore, insbesondere auch in Ballungszentren,  betroffen. "Damit wird das Schienennetz zerfleddert, es wird nicht mehr als ein Netz angesehen", warnten GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel und der TRANSNET-Vorsitzende Alexander Kirchner.

Beispiel dafür sei unter anderem, dass nun eine zentrale europäische Behörde die Koordination übernehmen solle. Dem hiesigen Betreiber der Infrastruktur werde damit jegliche Steuerungsmöglichkeit aus der Hand genommen. "Wir brauchen aber keine Verkehre erster und zweiter Klasse, wir brauchen eine Investitionsoffensive für die Schiene insgesamt", mahnten Hommel und Kirchner. In dieser Frage "mogelt sich die EU aus der Verantwortung, die Akzente werden falsch gesetzt". Der Personenverkehr, sowohl im Nah- wie im Fernbereich, bleibe buchstäblich auf der Strecke.

"Die neue Verordnung treibt einen Keil in das System Schiene", monierten die Gewerkschafter. Hinzu komme, dass sie praktisch ausschließlich auf lang laufende Verkehre, so genannte Ganzzüge, abziele und damit einen Wettbewerb dieser Ganzzugverkehre untereinander fördere. "Die Herausforderung, den Schienengüterverkehr zu stärken, liegt aber im Einzelwagenverkehr." Dieser müsse gefördert werden, für diesen müssten Konzepte entwickelt werden.

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