Frust und Ärger über die Probleme des Winters
GDBA und TRANSNET fordern erneut einen freien Tag

Alle Ausflüchte und Erläuterungen der Verantwortlichen halfen nicht. GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel brachte es auf den Punkt: „Das Missmanagement der Deutschen Bahn hat in weiten Teilen dazu beigetragen, dass man die Auswirkungen des Winters nicht richtig in den Griff bekommen habe. Auf die kalte Jahreszeit müsse man sich vorbereiten und gegebenenfalls flexibel reagieren“, machte er auf der Konferenz "Kundenfrust und Missmanagement auf dem Rücken der Beschäftigten?“, deutlich, auf der GDBA und TRANSNET-Mitglieder eine kritische Bilanz des Winters 2009/2010 zogen.

In zahlreichen Beispielen machten Eisenbahner deutlich, was im Unternehmen schief gelaufen war. Mehr als 200 Mitglieder vom GDBA und TRANSNET nahmen an der Fachkonferenz teil. Sichtlich betroffen hörte sich Personalchef Weber die Schilderungen der Mitarbeiter an.

Die Probleme vor Ort beseitigen, die Hinweise der Mitarbeiter ernst nehmen - so lautete die Aufforderung des TRANSNET-Vorsitzenden Alexander Kirchner an die Vertreter des Managements der Deutschen Bahn. Und die waren hochkarätig vertreten: Ulrich Weber, Personalvorstand der DB AG, Rolf Kranüchel (DB Dienstleistungen), Jörg Manegold (DB Fernverkehr), Oliver Kraft ( DB Netz), Andreas Springer (DB Station & Service) sowie Alexander Ketterl, (DB Schenker Rail) waren der Einladung von Verkehrsgewerkschaft GDBA und Gewerkschaft TRANSNET gefolgt, um mit mehr als 200 Bahnbeschäftigten die jüngsten Winterprobleme zu diskutieren.
 
Immer wieder hatten GDBA und TRANSNET in den zurückliegenden Wochen auf bestehende Defizite hingewiesen. GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel forderten die Arbeitgeber in diesem Zusammenhang noch einmal eindrücklich auf: „Lassen sie die Menschen bei der Bahn in solch schwierigen Situation nicht allein“.
 
Die fühlen sich in der Tat nur allzu häufig allein gelassen, was zahlreiche Aussagen der Kolleginnen und Kollegen belegten. Quer durch alle Bereiche hagelte es Schelte für bestehende Defizite, die nicht die Beschäftigten zu verantworten haben.
 
Fast überall in der Republik das gleiche Bild. Schneechaos auf den Bahnsteigen, Machtlosigkeit der Bahner vor Ort: Der Auftrag war an Subunternehmer vergeben und die hatten nicht oder nur schlecht geräumt. Ein Kern der Kritik dieser Konferenz. Bizarre Zustände bisweilen aber auch in vielen Zügen, so die Aussagen von Zugbegleitern und Zugchefs. Sich durch überfüllte Gänge drängen, aufgebrachte Reisende beruhigen und dabei noch Auskünfte geben, das sei ein bekanntes Bild der vergangenen kalten Jahreszeit. „Dabei lebt unsere Firma von den Kunden und nicht umgekehrt“, formulierte eine Zugchefin.
 
Und auch Reiseberater in den Reisezentren mussten Nerven aus Stahl besitzen. Da harmoniert beispielsweise die Technik auch nicht: Das Reisendeninformationssystem nennt andere Abfahrtszeiten eines Zuges als das eigentliche Verkaufssystem. Und ob nun alle Weichenheizungen noch funktionieren, lässt sich auch nicht immer ermitteln: „Im Raum Mainz müssen 9.200 Weichen kontrolliert werden, dafür ist ein Mitarbeiter zuständig“, klagt ein Kollege und führt noch an, „früher waren es 18.“
 
Die Liste der berechtigten Sorgen war lang und lang waren bisweilen auch die Gesichter der anwesenden Manager. DB-Personalvorstand Ulrich Weber musste feststellen, dass dieser Winter „eine schmerzvolle, aber hilfreiche Erfahrung war.“ Es werde konkrete Projekte zur Lösung der Probleme geben. Jörg Manegold von DB Fernverkehr versprach, es werde künftig „Enteisungsanlagen mit Heißwasser für die Züge“ geben und eben nicht nur buchstäblich heiße Luft. Der Chef von DB Dienstleistungen, Rolf Kranüchel, stellte fest, es habe „schlimme Härten“ für die Mitarbeiter gegeben und die solle es in dieser Form künftig nicht mehr geben: Das System der Subunternehmer werde überprüft, eine Vergabe von Subunternehmer-Leistungen an weitere Subunternehmer bleibe „verboten“. Das „Prüf-, Kontroll- und Meldesystem solle weiterentwickelt werden. Schon „in den nächsten Wochen“ solle der bevorstehende Winter geplant werden.

Das aber reichte den Eisenbahnern nicht aus. „Die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die Gewerkschaft TRANSNET haben für alle Beschäftigten einen zusätzlichen freien Tag als Ausgleich für die Strapazen des Winters 2009/2010 gefordert Und den wollen wir haben“, machte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel zum Abschluss der von TRANSMIT organisierten Fachkonferenz deutlich.

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