Das Thema Sicherheit bekommt einen neuen Stellenwert
Bemühungen von GDBA und TRANSNET erfolgreich

Zwei Jahre lang haben die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die Gewerkschaft TRANSNET darum gekämpft, dem Thema Sicherheit im Personenverkehr eine größere Bedeutung beizumessen. Zunehmende Übergriffe auf Mitarbeiter aber auch auf Reisende im Nah- und Fernverkehr sowie in Bussen und Straßenbahnen waren der Anlass. Jüngst konnten die beiden Gewerkschaften, Betriebsräte sowie Vertreter der Deutschen Bahn eine Vereinbarung unter der Überschrift „Sicher unterwegs“ unterzeichnen, in der festgeschrieben ist, was getan werden muss, um Mitarbeiter und Reisende vor Übergriffen zu schützen.

 
     

 

Vorgestellt wurden die Inhalte auf einer Fachkonferenz, die am Donnerstag, den 23. September, in Frankfurt am Main stattfand. Gerd T. Becht, Vorstand Compliance, Datenschutz und Recht, war eigens angereist, um aus Sicht der DB AG die wichtigsten Punkte hervorzuheben. Schnell wurde deutlich, dass die jetzt erarbeiteten Vorgaben mit der Realität nicht immer übereinstimmten. So kritisierten Kolleginnen und Kollegen, dass Vorgesetzte von ihren Mitarbeitern erwarten, dass diese sich auch im Fall von Pöbeleien, Beleidigungen und Handgreiflichkeiten ruhig verhalten. Wer sich gegen eigentlich nicht hinnehmbare Attacken von Reisenden wehre, müsse mit einer Abmahnung, schlimmstenfalls sogar Kündigung rechnen, sollte sich ein Reisender über einen Bahnmitarbeiter beschweren. „Wir haben keinerlei Rückhalt und werden mit den Problemen vor Ort allein gelassen“, hieß es immer wieder.

Das wird sich ändern, versprach Gerd T. Becht als zuständiges Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn. Bei den Führungskräften werde nunmehr ein Umdenken eingefordert. Von diesen werde erwartet, künftig auch die persönliche Situation eines betroffenen Mitarbeiters bei seiner Entscheidung zu berücksichtigen. Wir können und wollen von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort nichts Unmögliches verlangen. Wer hart angegangen wird, hat auch das Recht, sich im Rahmen des Zulässigen zu wehren, machte Gerd T. Becht deutlich.

Mehr Mitarbeiter im Sicherheitsbereich, häufigere Schulungen, De-Eskalationstrainings, Ordnungspartnerschaften – das waren nur einige der Stichworte, die im Rahmen einer konstruktiv-kritischen Podiumsdiskussion fielen und die sich die DB AG zu eigen machen will. All das kostet Geld, aber auch Zeit. „Beides werden wir brauchen, um unsere Ziele zu erreichen“, machte DB AG-Vorstand Gerd T. Becht deutlich und bat eindringlich darum, immer wieder all jene Bereiche zu benennen, „in denen es noch klemmt“. 

Ein Appell, den auch Gerd Neubeck, bekräftigte, der bei der Deutschen Bahn für den Bereich Konzernsicherheit zuständig ist. Er rief Betroffene dazu auf, jeden Übergriff zu melden. „Nur so sind wir in der Lage, ein realistisches Bild der Situation vor Ort zu zeichnen“, machte er deutlich. Vorgesetzte müsste Mitarbeiter darin bestärken, Fehlverhalten Reisender anzuzeigen; es sei falsch persönliche Attacken, auch wenn sie „nur“ verbal erfolgt sind, als Lapalie abzutun.

Dirk Kühnert, Vertreter des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, hatte zuvor deutlich gemacht, wie sein Unternehmen mit der Frage der Sicherheit für Fahrgäste und Mitarbeiter umgeht. Sicherheit sei ein wesentlicher Aspekt für zufriedene Fahrgäste; aber Sicherheit kostet Geld, machte er deutlich. Geld, dass gut angelegt sei, so Dirk Kühnert. Denn, so seine These, würden auf allen Nahverkehrszügen in Nordrhein-Westfalen Mitarbeiter ständige Präsenz zeigen, hätte dies außerordentlich viele positive Folgen: zum einen für das Unternehmen durch höhere Fahrgeldeinnahmen und deutlich weniger Schäden durch Vandalismus, zum anderen für die Fahrgäste, die sich deutlich sicherer fühlen würden und damit die Verkehrsangebote häufiger nutzen wurden. Aber auch für die Wirtschaft, weil so gut 10.000 Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Letztlich würde so die Kaufkraft erhöht und die Attraktivität der Region gesteigert. Fraglich sei aber, wer die Kosten für einen solchen  Personaleinsatz zahle.

Peter Tröge, stellvertretender Bundesvorsitzender der Verkehrsgewerkschaft GDBA, und Reiner Bieck, Mitglied des Vorstandes der TRANSNET, zeigten sich vom Verlauf der Fachkonferenz zufrieden. Beide hatten im Rahmen der gut besuchten Veranstaltung noch einmal der Ergebnisse aus der von GDBA und TRANSNET initiierten Mitarbeiterbefragung sowie die Aktionen und Resultate der Aktion „Sicher unterwegs“ vorgestellt. Erneut sei deutlich geworden, wie wichtig und richtig es gewesen sei, sich des Themas „Sicherheit im öffentlichen Verkehr“ anzunehmen. Ohne das beharrliche Vorgehen beider Gewerkschaften würden viele Mitarbeiter heute mit ihren Problemen noch immer allein gelassen. Das werde sich nun endlich ändern, machten Tröge und Bieck deutlich.

Im Rahmen der Fachkonferenz „Sicher unterwegs“ hatte zuvor Polizeioberrat Sven Schultheiß die Aufgaben der Bundespolizei erläutert

 

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